Valle Impero
Wer Ligurien kennt, denkt zuerst ans Meer. Die Blumenriviera, die Cinque Terre, die Promenaden von Sanremo. Was dahinter liegt – die Täler, die sich von der Küste nordwärts in die Seealpen ziehen – kennen die wenigsten. Das Valle Impero ist eines davon.
Der Fluss Impero entspringt in den ligurischen Seealpen und mündet bei Imperia ins Mittelmeer. Sein Tal ist schmal, kurvig und dicht bepflanzt – Olivenhaine, Weinberge, Kastanienwälder wechseln sich ab. Die SS28, die Schnellstraße durch das Tal, verbindet die Küste mit dem Gebirge. Wer sie fährt, passiert Dorf um Dorf – jedes mit eigenem Charakter, keines für Touristen gebaut.
- Pontedassio Erstes größeres Dorf im Tal, bekannt für Olivenöl und Pasta.
- Borgomaro Herzstück des oberen Tals – alte Steinbrücke über den Impero, intakter mittelalterlicher Ortskern.
- Aurigo Oberhalb von Borgomaro, fast vergessen, mit Blick über das ganze Tal.
- Lucinasco Kleines Bergdorf, kaum bekannt, authentisch.
- Caravonica Zwischen Borgomaro, Chiusanico und Cesio – ruhig, unberührt.
- Chiusavecchia Direkt an der Talstraße Richtung Pieve di Teco.
- Cesio Im oberen Bereich des Tals, abseits der Hauptstraße.
- Pieve di Teco Historischer Marktflecken am nördlichen Ende – Salzstraße, Arkaden, lebendiges Handwerk.
Torria
Torria liegt auf 437 Metern, in der Gemeinde Chiusanico, und gehört zu den am besten erhaltenen Bergdörfern der Region. Rund 150 Menschen leben hier. Die Gassen sind eng, die Häuser aus Stein, der Verkehr endet am Dorfeingang. Auf der Piazza steht die Kirche San Martino – ihr Portal datiert auf die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts.
Von Torria aus sieht man bei klarem Wetter das Meer. Abends, wenn die Küste unten leuchtet und oben die Stille einsetzt, versteht man, warum Menschen hierher zurückkehren.
Zur Gemeinde Chiusanico gehören auch die Weiler Gazzelli, Garsci und Zebbi. Zwei Kilometer entfernt, in Chiusanico selbst, gibt es einen kleinen Supermarkt. Das Restaurant La Remissa im Dorf kocht ligurisch – ohne Touristenkulisse, mit Innenhof unter freiem Himmel.
Pieve di Teco
Pieve di Teco liegt am nördlichen Ende des Tals und war jahrhundertelang ein wichtiger Handelsposten an der alten Salzstraße, die das Meer mit dem Piemont verband. Der Wohlstand von damals ist noch ablesbar – an den langen Arkadengängen aus dem 15. Jahrhundert, die die Hauptstraße säumen und dem Ort eine fast städtische Würde geben.
Wer das Tempo des Tals annimmt, findet in Pieve di Teco mehr als Kulisse – ein Dorf, in dem das Handwerk noch wirklich lebt.
Olivenöl aus dem Valle Impero
Das Valle Impero ist Olivenölland. Die vorherrschende Sorte ist die Taggiasca – eine kleine, dunkle Olive mit mildem, fruchtigem Öl und einem Hauch Bitterkeit am Abgang. Sie reift spät, wird oft von Hand geerntet und ergibt eines der feinsten Öle Italiens.
Viele Bauern im Tal verkaufen ihr Öl direkt ab Hof. Wer anklopft und fragt, bekommt meistens eine Kostprobe – und ein Gespräch dazu. Das Museo dell'Olivo in Imperia, etwa 15 km vom Tal entfernt, dokumentiert die Geschichte des Olivenöls von der Antike bis heute und ist einen halben Tag wert.
Was man unternimmt
Wandern – Markierte Trails starten direkt in Torria. Die Wege führen durch Olivenhaine und Pinienwald, verbinden Dorf mit Dorf und bieten immer wieder Blick aufs Meer.
Mountainbike – Technische Strecken und ruhige Forstwege wechseln sich ab. Das Tal ist gut vernetzt mit den umliegenden Hügeln.
Radfahren am Meer – der Tyrrhenische Radweg – Die Pista Ciclabile entlang der ligurischen Küste ist Teil eines nationalen Radkorridors von Ventimiglia bis nach Rom: rund 1.200 Kilometer durch Ligurien, Toskana und Latium, immer nah am Meer. Im Abschnitt rund um Imperia und Diano Marina führt der Weg vorbei an Stränden, durch Naturschutzgebiete und an römischen Spuren – darunter die antike Mansio San Bartolomeo al Mare, deren Funde im Stadtmuseum von Diano Marina zu sehen sind. Kurz dahinter liegt Cervo, eines der schönsten Dörfer Italiens, auf einem Felsvorsprung direkt über dem Meer. Im Westen, kurz vor der französischen Grenze, warten die Balzi Rossi bei Ventimiglia – eine der bedeutendsten prähistorischen Fundstätten Europas. Der Radweg ist kein Sportprojekt – er ist eine Einladung, die Küste langsam zu lesen.
Küste – Imperia ist 25 Minuten entfernt und hat zwei Gesichter: Oneglia mit Hafen und Markt, Porto Maurizio mit Gassen, Kirchen und Meerblick. Diano Marina und Alassio sind die nächsten größeren Badeorte – lebhaft im Sommer, ruhiger im Mai und September.
Ausflüge – Nizza liegt 1,5 Stunden westlich, die ligurischen Seealpen sind nördlich gut erreichbar. Das Tal ist kein Endpunkt – es ist eine Basis.
Wann man kommt
Mai und Juni sind grün und still. Juli und August sind heiß an der Küste, in Torria auf 437 Metern aber erträglich – mit kühlen Nächten und Brise aus dem Tal. September und Oktober sind die schönste Zeit: warm, ruhig, die Olivenernte beginnt, die Sagre finden statt – lokale Dorffeste rund um Bohnen, Feigen, Wein.
Im Winter ist das Tal fast menschenleer. Für alle, die das schätzen.
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